Cord


Meine große "Sturm- und Drangzeit" war in den 70igern. Zu meinen Lieblingsklamotten gehörte ein quitschebunter, langer, weiter Strickrock, über den sich aber auch jeder "gesittete" Mensch in meiner näheren Umgebung aufregte und eine Cordhose. Keine Ahnung, wieso mir die Klamotten wieder einfielen, aber mir drängte sich plötzlich die Frage auf:


Was ist Cord?

"Kein Problem", dachte ich mir, "wir haben ja Google". Aber so einfach war das nicht. Das Erste, was ich zu lesen bekam war dies:

"Cord [==> Schnur, Strick]: festes Gewebe mit Rippen, die durch die Cord- (Struck-, Hohlschuss-) Bindung entstehen. Bei Längscord ( Hohlschuss ) bindet der erste Schuss z.B. mit 8 Kettfäden Leinwand und flottiert dann unter den nächsten acht..." Mmmm.

Und schon plagte mich das nächste Problem:


Was ist Kette und Schuß?

Gehört hatte ich das schon mal, aber interessiert hatte es mich, bis jetzt, eben in keinster Weise.

Die Fäden in Längsrichtung bezeichnet man als Kette oder Kettfäden. Die Querfäden heißen Schuss oder Schußfäden. Verbunden sind die Fäden durch die Verbindungsart Fadenverkreuzung.

Mit dem Wissen hätte ich jetzt meinen kleinen Webrahmen aus eben jener Zeit erklären können und ich bekam eine Ahnung, wie die Rippen beim Cord entstehen. Die Zahl eben jener Rippen auf 10 cm Stoff bestimmen die einzelnen Cordarten: beim Feincord oder Babycord sind das mehr als 40 Rippen, beim Breitcord, Kabelcord oder Trenkercord (benannt nach Luis Trenker) sind es 10-25 Rippen.

Die Herkunft des Wortes Cord (auch Schnürsamt oder Manchester genannt), welches ein Gewebe mit samtartigen Längsrippen bezeichnet, ist nicht hinreichend bekannt. Man weiß aber, dass das Wort Corduroy (engl. für Cord) höchstwahrscheinlich von der französischen Phrase Corde du Roi (Leine des Königs) kommt. Das Interessante dabei ist, dass Cord allerdings zunächst vor allem in Manchester produziert wurde, wo noch jetzt ein Hauptsitz der Fabrikation ist. In England heißen diese Stoffe Velvets, Velverets, Velveteens. Die englische Stadt Manchester gab dem dort gefertigten Stoff ihren Namen, einem aus Baumwolle angefertigten samtartigen Gewebe, welcher als Nachahmung des echten seidenen Samtes auftritt. Manchester, der dichte Rippen(Schuss)-samt aus Baumwoll- und Viskosegarn (21-43 Rippen pro 10 cm) wird auch als Genuacord bezeichnet.

Das alles wußte ich damals nicht, aber meine Cordhose war schon was ganz besonderes. Wir beide machten schon eine ganz gute Figur und so durch die Welt zu laufen, machte einfach Spaß. Und den wünsche ich Euch in Euren Cordhosen auch.


-die Gudrun-

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